Neulich im Deutschen Museum: Rien ne vas plus

Ein wenig Off-Topic, aber dennoch erwähnenswert: Das Deutsche Museum in München braucht eine Generalüberholung. Wie ich darauf komme? Ich war neulich zum ersten Mal seit etwa fünf Jahren wieder da und dann doch recht enttäuscht: Viele der interaktiven Ausstellungselemente („drücke den Knopf und sieh, was passiert“) waren defekt. Hier ist auf alle Fälle eine größere Summe notwendig, um die Ausstellung wieder sehenswert und spannend zu machen.

Natürlich: Die Jahre mitsamt der vielen Besucher gingen nicht spurlos am Museum vorbei und ginge es „nur“ darum, würde ich wohl auch keinen Post verfassen. Viel tragischer ist: Auch die ganz neuen Ausstellungselemente sind stark verbesserungswürdig. Nehmen wir nur mal die Ausstellung zur Nano-Technologie. Die ist einfach aus museumspädagogischer und -didaktischer Sicht schlecht gestaltet: Es gibt keine Einführung in das Thema; die technisch aufwendige (und sicher nicht grad billige) Umsetzung mit „Touch-Vitrinen“ ist völlig unverständlich in der Bedienung; die Texte sind so geschrieben, dass man (bzw. ich) sie selbst nach mehrmaligem Lesen nicht (leicht) begreifen kann…. etc. Das zeigt mal wieder: Gut gemeint heißt nicht automatisch gut gemacht. Das haben die Verantwortlichen im Deutschen Museum wohl schon selber erkannt. An der ein oder anderen Vitrine prangte das Schild: „Diese Vitrine wird hinsichtlich einer besseren Verständlichkeit für Sie überarbeitet.“

Auf alle Fälle positiv hervorzuheben ist, dass das Deutsche Museum trotz geringer finanzieller Mittel daran arbeitet, attraktiv und modern zu bleiben. Das zeigt sich z.B. in der Umsetzung von Audioguides als mp3s, die man sich vor seinem Museumsbesuch herunterladen und auf den eigenen Player ziehen kann. Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie man mit relativen geringen finanziellen Mitteln (im Vergleich zu den grausigen Touch-Vitrinen aus der Nano-Technologie-Ausstellung) ein attraktives und interessantes Angebot schaffen kann.

Ich bin auf alle Fälle gespannt, ob es demnächst eher bergauf oder bergab geht mit dem Deutschen Museum und werde im nächsten Jahr bestimmt wieder vorbei schauen.

4 Gedanken zu „Neulich im Deutschen Museum: Rien ne vas plus

  1. Hallo Silvia,
    Danke für den Hinweis mit den mp3-Files – das passt gut zu meiner Seminarvorbereitung zur Veranstaltung „Audio als Wissensmedium“ :-)

    Liebe Grüße,
    Alex

  2. Hi Silvia,
    das ist die Krux mit den Museen. Aber bei einem so großen Haus sollte es schon besser laufen. Da haben wohl zu viele Fachwissenschaftler am Konzept gestrickt und Mediendesigner was „Cooles“ entworfen. Man hätte auch jemanden aus der Ecke Medienpädagogik oder -didaktik bzw. angrenzende Gebiete fragen können :).
    @ Alex: Schau mal unter http://www.mai-tagung.de/mai-tagung+2010/beitraege2010.htm, da sind sicher mehrere Hinweise zu kommerziellen und musealen Anbietern im Bereich „Audio als Wissensmedium“ über die Jahre verteilt vorhanden. Heuer war der letzte Vortrag in diesem Bereich (Pausanio).
    Grüßle
    Joe

  3. Hallo Joe,
    Danke für den Hinweis – ich freue mich schon, dass du im Januar als „externer“ Experte dabei sein wirst :-)
    Liebe Grüße,
    Alex

  4. Lieber Joe, lieber Alex,

    vielen Dank für eure Kommentare! Was deine Vermutung zur Zusammensetzung des Teams angeht, Joe – da kann ich mich nur anschließen ;) Ein Medienpädagoge wäre sicherlich ein sinnvoller Ratgeber bei der Umsetzung gewesen. Vielleicht hätte man auch den ein oder anderen Laien einen Blick drauf werfen lassen können…

    Liebe Grüße
    Silvia

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